Im November 1948 wurde Dank des unermüdlichen Einsatzes des Lehrers Franz Heuer wieder eine deutschsprachige Schule in Rekasch eingeführt, wobei er gleichzeitig auch zum Leiter dieser Schule ernannt wurde. Nach diesem erfreulichen Akt der deutschen Schulgründung kümmerte sich aber keine offizielle Stelle mehr viel darum, dass geeignete Unterrichtsräumlichkeiten und die erforderlichen Ausstattungen zur Verfügung gestellt wurden. So blieb es Lehrer Heuer vorbehalten, sich zu einem Organisationstalent zu entwickeln, damit der Schulbetrieb funktionieren konnte. Er baute beispielsweise zusammen mit den größeren Schülern ein altes Gebäude so um, dass darin Unterricht stattfinden konnte. Mit viel Fleiß, Mühe und der Unterstützung anderer schaffte er es auch, die Schule so auszustatten, dass das Nötigste vorhanden war und sich die Schüler darin einigermaßen wohl fühlten. Nach dem Erreichen dieses ersten Zieles setzte er seine ganze Kraft in die Ausbildung der ihm anvertrauten deutschen Kinder. Er war ein strenger aber gerechter Lehrer, für den eine gute Schulbildung der Schüler oberstes Ziel war. Gerade in einer Zeit, als die deutsche Bevölkerung kurz zuvor ihres Vermögens enteignet wurde, galt für ihn der Satz: „Vermögen kann man enteignen; was der Mensch aber gelernt und im Kopf hat, kann ihm niemand wegnehmen“. Sein besonderes Anliegen war es deshalb auch, den Schülern so viel Wissen beizubringen, dass möglichst viele auf weiterführende Schulen überwechseln konnten. Dabei lag ihm auch die Vermittlung der Tugenden, die man den Deutschen zuschrieb, stets am Herzen.
Die gute und schnelle Entwicklung der deutschen Schule in Rekasch aus dem Nichts heraus und damit verbunden auch das Wirken des Schulleiters Heuer hat so manches Misstrauen bei rumänischen Lehrern und in den Reihen der mittlerweile sehr einflussreich gewordenen kommunistischen Partei hervorgerufen. Wegen seiner Zielstrebigkeit und Standfestigkeit kam es immer öfter zu Meinungsverschiedenheiten mit der Obrigkeit. Da er aber immer seiner Linie treu blieb und sich nicht „verbiegen“ ließ, wurde ihm schließlich im März 1952 die Schulleitung entzogen, so dass er fortan nur noch als Lehrer an der deutschen Schule in Rekasch tätig war. Nachdem er einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik gestellt hatte, wurde er im Jahre 1958 fristlos aus dem Lehrerdienst entlassen.
Die folgenden Jahre bis zur Ausreise im Herbst 1962 hat Franz Heuer u.a. als Fotograf überbrückt.
In der Bundesrepublik hat er zusammen mit seiner Frau Edith und seinen beiden Söhnen und deren Familien in Gröbenzell eine neu Heimat gefunden. Schon 1963 bekam er seine erste Stelle als Lehrer im Durchgangslager Geretsried und dann an der Volksschule in Geretsried. Nach einem Jahr an der Schule in Puch bei Fürstenfeldbruck wechselte er 1965 an die Grundschule in Germering.
Neben seinem Schuldienst besuchte er auch noch drei Jahre lang Seminare bis er dann nach Ablegung der Staatsprüfung als Lehrer in den Beamtenstand übernommen wurde. Nach 42 Dienstjahren als Lehrer trat er schließlich 1984 in den wohlverdienten Ruhestand.
Die Zeit danach war aber eher ein Unruhestand. Er setzte sich mit viel Ehrgeiz und Schaffenskraft für seine in Deutschland neu eingetroffenen Rekascher Landsleute ein. Für sie hatte er stets ein offenes Ohr und stand ihnen immer mit Rat und Tat zur Seite. Ein besonderes Werk von bleibendem Wert ist ihm 1993 mit der Herausgabe des Heimatbuches „Erinnerungen an Rekasch“ gelungen. Solche Arbeiten erfordern einen ungeheuren Arbeits- und Zeitaufwand; trotzdem hat er dies alles ohne Kostenerstattung gemacht und den Verkaufserlös der Heimatortsgemeinschaft Rekasch zur Verfügung gestellt. Er hat nicht nur die schwere Aufgabe übernommen, die Geschichte seines Heimatortes Rekasch in dem Buch festzuhalten. Mit der Aufbereitung alter Fotos und mit der Datensammlung hat er auch vielen Menschen aus Rekasch und deren Nachfahren zu bleibenden persönlichen Erinnerungen an ihre Angehörigen verholfen.
Als seine ehemaligen Schüler sind wir stolz auf unseren Lehrer Franz Heuer. Viele Rekascher Kinder und wir, die wir ihn als Lehrer hatten, sind ihm zu Dank für das verpflichtet, was er uns beigebracht hat: Wissen, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit; vor allem aber den Glauben an uns selbst, mit dem er uns in der damaligen Welt der kommunistischen Diktatur beschenkte.
Als Rekascher sagen wir ihm im Namen unserer Landsleute ein „Dankeschön“ auch für das Heimatbuch. Es lässt uns die Heimat zu einem tiefen Erlebnis werden. Der Fremde lernt dadurch unser Dorf kennen und der jüngeren Generation wird das fruchtbare Erbe der Vergangenheit zum Bewusstsein gebracht; das soll in die Zukunft weiter getragen werden.
Johannes Kalupsky
Franz Bertram
Die Heimatortsgemeinschaft spricht den beiden Söhnen des Verstorbenen und ihren Angehörigen das aufrichtige Beileid aus.
















